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Gemeinderat ging in Klausur

13.02.2017 Am 21. Januar 2017 fanden sich die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte Wenzenbachs im Gasthaus Winklerbräu in Lengenfeld zur Klausurtagung ein. Die Klausurtagung bot hochkarätige Referenten zu den äußerst komplexen Themenbereichen Verkehr, innere Mitte und Wohnungsbau.

Verkehr

Am Vormittag durfte Bürgermeister Koch zunächst den Verkehrsplaner des Landkreises, Dr. Christoph Häusler, und den Leiter der Tiefbauabteilung im Staatlichen Bauamt, Alexander Bonfig, begrüßen. Dr. Häusler stelle zum Einstieg des ersten Themenblocks nochmals die bisherigen Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung von Prof. Dr. Kurzak, einen der führenden Verkehrsplaner Bayerns, für die Gebiete Gonnersdorf und Thanhof  vor. Daraus ergibt sich, dass eine neue B16-Anschlussstelle zwischen Haslbach und Gonnersdorf durchaus Sinn ergeben würde. Sofern von dort eine Verbindungsstraße zur bestehenden Kreisstraße R6 verlaufen würde, könnte mit einer Straßennutzung von täglich ca. 8.800 Fahrzeugen gerechnet werden. Die Entlastung des Ortsteils Gonnersdorf dürfte dadurch bei etwa 2.500 Fahrzeugen pro Tag liegen. Sollte allerdings, entsprechend der Wünsche des Staatlichen Bauamts, eine Osttangentenerweiterung durch das angedachte Gewerbegebiet Thanhof erfolgen, würde dieser neue Straßenzug eine tägliche Frequentierung von sogar mehr als 12.000 Fahrzeugen aufweisen. Die Entlastung von Gonnersdorf würde hier auf nur noch 1.300 Fahrzeuge am Tag abnehmen, gleichwohl könnte so gegenüber den zuständigen Behörden (insbesondere der Regierung der Oberpfalz) aber leichter eine weitere B16-Anschlussstelle argumentiert werden. Ins selbe Horn stieß auch Baudirektor Bonfig vom Staatlichen Bauamt Regensburg. Aus Sicht seiner Behörde sei eine Umfahrung des Ortsteils Gonnersdorfs entlang der Hölzlhofstraße und des Radwegs mit Anschluss an die Böhmerwaldstraße bzw. Staatsstraße 2150 bei der Konditorei Götzfried die schnellste und effektivste Lösung zur Entlastung von Gonnersdorf. Hier müsse man nicht in einem längeren Verfahren eine weitere B16-Anschlussstelle bewirken, könnte relativ bestandsnah ohne größeren Flächenverbrauch agieren und hätte die Möglichkeit, im Zuge des Umgehungsstraßenbaus, parallel zum Radweg eine Lärmschutzwand zu errichten, die letztlich auch den Lärm von der Bundesstraße abschirmen würde. Nachdem ihm aber von Vertretern der Gemeinde bereits dargelegt wurde, dass Wenzenbach eher eine weitere Anschlussstelle bei Haslbach präferieren würde, sei man von Seiten des Bauamts grundsätzlich dazu bereit, auch diese Option auf ihre technische und rechtliche Machbarkeit hin zu überprüfen. Wenn die Bestrebungen nach einer weiteren Bundesstraßenanbindung allerdings wirklich Erfolg haben sollen, müsse nach seinem Dafürhalten versucht werden, eine möglichst attraktive Zufahrt von der heutigen Osttangente zur Bundesstraße am nördlichen Ende von Haslbach zu realisieren. Eine bestandsnahe Lösung über die Böhmerwaldstraße wäre in diesem Zusammenhang zwar grundsätzlich auch denkbar, aber mit größeren baulichen Schwierigkeiten verbunden.  Schließlich müsse die R6 gerade im Engstellenbereich rund um das „Holz Centrum Regensburg“  baulich im erheblichen Umfang optimiert werden. Ob dies möglich sei, solle ein technisches Gutachten ergeben, dass nun dem allgemeinen verkehrsplanerischen Gutachten von Prof. Dr. Kurzak nachgeschaltet wird.

Bürgermeister Koch stellte in der anschließenden Diskussion heraus, dass man eine Weiterführung der Osttangente durch das geplante Gewerbegebiet Thanhof nicht strikt ablehnen würde. Allerdings könne es nicht sein, dass die dahingehenden Planungen seit vielen Monaten gehemmt werden, nur weil man bei der Verkehrsplanung lediglich im ersten Gang unterwegs sei. Im Idealfall sollte, so die Gemeinderäte, eine weitere Anschlussstelle mit bestandsnahen Zufahrtswegen (Böhmerwaldstraße & Ladestraße) realisiert werden. Wenn dies allerdings nicht möglich sei, werde man nach Angaben von Bürgermeister Koch auch über eine Osttangentenerweiterung durch das Gewerbegebiet nachdenken müssen. Die dafür benötigte Trasse könne man aber unmöglich über Jahre hinweg freihalten, bis sich die zuständigen Stellen irgendwann (in ferner Zeit) auf eine Lösung verständigt haben. Als Fazit hielt er fest: „Wenn die Gemeinde Wenzenbach Gewerbeflächen für die Osttangente opfern muss, dann nur unter der Prämisse, dass bis Ende des Jahres verlässliche Angaben zum konkreten Flächenverbrauch und zum Realisierungszeitraum vorliegen.“

Am späteren Vormittag wurde mit Dr. Häusler und Baudirektor Bonfig auch über die geplante Westumfahrung und Südspange gesprochen. Gerade bei der Südspange stellte Alexander Bonfig nochmals klar, dass für die dritte Spur der B16 ab 2019 allein etwa 6.550 qm benötigt werden. Sofern es der Gemeinde gelingen sollte, bis zum Frühjahr zusätzliche 12.900 qm für die angedachte Südspange als Verbindungsstraße zwischen der B16-Anschlussstelle in Wenzenbach und dem Ortsteil Probstberg zu erwerben, könne das Staatliche Bauamt die Planung und Bauüberwachung der Südspange mitübernehmen. Bisher habe sich die Gemeinde dieses Ziel für über 9.600 qm grundsätzlich erreicht. Der gemeindliche Projektleiter Manuel Hofstetter ergänzte in diesem Zusammenhang, dass gemäß einer Verkehrsprognose von Prof. Dr. Kurzak die Südspange eine Entlastung der Pestalozzistraße und der Regensburger Straße von täglich etwa 2.000 Fahrzeugen erbringen würde. Bürgermeister Koch wusste zu berichten, dass man weite Teile der Südspange bereits notariell gesichert hätte. Andere Teile müssten hingegen noch in äußerst mühsamen Grunderwerbsverhandlungen eingeworben werden. Mit manchem Landwirt habe man schon zwischen fünf und zehn Verhandlungsterminen hinter sich. So konnten manch anfängliche Forderungen von zehnfachen Tauschverhältnissen der abzugebenden Flächen auf ein mittlerweile einigermaßen vertretbares  Maß reduziert werden.  Weiterhin sei er als Bürgermeister sehr darauf bedacht, dass die Gemeinde hier keine Mondpreise bezahle. So etwas könnte das Preisgefüge für Grund in Wenzenbach nämlich nur noch verheerender aus dem Lot bringen. Die Gemeinderäte stimmten dieser Einschätzung des Bürgermeisters zu und regten an, im Härtefall die Planungen zur Südspange ad acta zu legen. Dies wäre zwar eine verpasste Chance für die Gemeindeentwicklung, aber die Gemeinde dürfe nicht erpressbar werden. Nun müssten die nächsten Wochen bis Ostern zeigen, ob an der Südspange festgehalten werde.

Ähnlich schwierig gestalten sich auch die Grundverhandlungen zur Westumfahrung. Hier käme man zwar ohne größere Tauschflächen als Angebotsmasse aus, allerdings kalkuliere man allein für den Grunderwerb der Straße mit einem Investitionsvolumen von mindestens 675.000 €.

Gleichwohl gibt es von der Klausurtagung auch positive Dinge zu vermelden. Sowohl das Staatliche Bauamt als auch das Landratsamt könnten sich mit der Errichtung eines Kreisverkehrs auf Höhe des Bauhofs anfreunden. Dieser Kreisverkehr könnte bis zu vier Arme erhalten(B16-Anschluss mit Westumfahrung, R6 in Richtung Irlbach und Wenzenbach sowie Anschluss an die Südspange). Ebenso versicherte Baudirektor Bonfig, dass man den dreispurigen Ausbau der Bundesstraße im nächsten Bauabschnitt zwischen Thurnhof und Grabenbach merklich schonender für die Gemeinde organisieren wolle. Beispielsweise sei eine temporäre Ortsumfahrung parallel zur Bundesstraße vorstellbar. In jedem Fall wolle man auch den Lärmschutz entlang des Siedlungsgebiets massiv verbessern.  Am geringsten seien die Mehrbelastungen allerdings, sofern die Gemeinde die geplante Südspange errichten könne, welche dann als Baustraße für den Ausbau dienen würde.

Innere Mitte

Nach einer kurzen Mittagspasse stellten zwei potentielle Bauträger ihre Pläne zur „Innere Mitte“, ein Gebiet gegenüber der Pfarrkirche St. Peter, vor. Hier sei man gerade noch damit beschäftigt, eine sinnvolle Lösung für die Belebung des Gewerbes im Ortskernbereich zu finden.  Ebenso wolle man das fast 4000 qm große Grundstück aber verstärkt für Wohnzwecke aufbereiten. Die dahingehende Planung sprach die Gemeinderäte mehrheitlich an. Wichtig sei den Gemeinderäten aber, dass die „Innere Mitte“ möglichst zeitnah aufgewertet wird. Außerdem lege man großen Wert darauf, dass dieses Gebiet nicht bis auf den letzten Quadratmeter zur Bebauung ausgequetscht wird, sondern auch kleinere Aufenthaltsflächen und Grünbereiche für die Bevölkerung biete. Hier werde man notfalls im Zuge der Bauleitplanung entsprechende Regeln aufstellen.  In diesem Zusammenhang könne man dann auch sicherstellen, dass weiterhin in einem angemessenen Umfang Gewerbeflächen in der inneren Mitte vorgesehen bleiben.

Sozialverträglicher Wohnungsbau Irlbach

Zunächst besprach man nochmals die Ergebnisse der beiden durchgeführten Machbarkeitsstudien zum sozialverträglichen Wohnungsbau in Irlbach von den Architekturbüros EKP und SHL. Nachdem man schnell übereinkam, dass beide Planungen zwar interessante Ansätze beinhalten, allerdings noch nicht den großen Wurf darstellen würden, wurde die Forcierung eines Planungswettbewerbs als Vergabeform der architektonischen und planerischen Leistungen festgelegt. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen konkrete Planungsvorschläge für Wohnanlagen mit insgesamt ca. 25 Wohneinheiten ausgearbeitet werden. Man wolle aus Gründen der Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit keine allzu kleinen Baukörper (beispielsweise ausschließlich  Mehrfamilienhäuser), aber eben auch keine zu großen Wohnriegel realisieren.  Der Erhalt des Gasthauses sei nicht zwingend, allerdings müsse darauf geachtet werden, dass am selben Standort ein ähnlich markanter Bau entstehen kann. Dies solle innerhalb der nächsten Wochen mit dem Landratsamt abgeklärt werden. Letztlich bewege man sich hier im Spannungsverhältnis von Wirtschaftlichkeit und Ortsbildprägung, so Koch. Das alte Gasthaus wäre zwar im sanierten Zustand ein schönes Entree zum neuen Dorfplatz von Irlbach, gleichwohl könne man sich aber kaum vorstellen, dass das ruinöse Gebäude nochmals in einen ansprechenden Nutzungszustand gebracht werden könnte. Dafür sei es zu lange ungenutzt geblieben und die Raumaufteilung sei alles andere als zielführend. Zu diesem Themenkomplex referierte auch nochmals Bauoberrat Oliver Seidel von der Regierung der Oberpfalz. Er lobte, dass die Gemeinde Wenzenbach hier zusammen mit Tegernheim, Lappersdorf und Regenstauf eine Vorreiterrolle im Landkreis einnehmen würde und bot auch für die Zukunft seine Unterstützung in Sachen Wohnungsbau an.

Die Klausurtagung endete – wie könnte es anders sein – nach einem langen und intensiven Arbeitstag mit einer launigen Brauereiführung und anschließender Verköstigung diverser Biere der Brauerei Winklerbräu. 

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